Ein Walking Act trägt einen Bildschirm auf dem Kopf und du kannst auf einer Party gegen ihn ein Videospiel spielen. An anderer Stelle begegnen dir Tarotkarten oder eine Figur, bei der nicht sofort klar ist, ob sie Gast oder Teil einer Performance ist. XELK nutzt solche Situationen, um Kink mit Kunst und dem Publikum zu verbinden. Eine Begegnung beginnt dabei oft mit Neugier, bevor überhaupt ein erklärendes Gespräch stattfindet.
Im KinkyGuide Interview erzählen Eve und Plumbum von ihrem Kollektiv, dem XELK Magazin und interaktiven Projekten. Sie beschreiben Kunst als Möglichkeit, kinky Themen außerhalb einer vertrauten Bubble zugänglich zu machen. Das Gespräch gibt es als Podcast und als Video. Die genannten Aufführungen und Magazinprojekte gehören zum Zeitpunkt des Interviews; aktuelle Angebote findest du über die offiziellen Kanäle.
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Ein Kollektiv mit verschiedenen künstlerischen Zugängen
Plumbum erzählt, dass XELK aus einem Freundeskreis und dem Wunsch entstand, eigene Kunst zu machen. Vorbilder waren unter anderem Performances auf Partys. Aus dem Gedanken, selbst etwas beitragen zu können, entwickelte sich eine Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Im Interview werden etwa Choreografie, Regie, Gestaltung und Performance genannt.
Wichtig ist dabei die beschriebene Feedbackkultur. Ideen werden nicht nur danach bewertet, ob sie den unmittelbar Beteiligten gefallen. XELK arbeitet laut Plumbum mit Rückmeldungen, Überprüfungen und weiteren Entwicklungsschleifen. Das macht verständlich, warum ein auf einer Party beiläufig wirkender Act trotzdem Vorbereitung braucht. Die spontane Begegnung mit Gästen kann auf einem ausgearbeiteten Konzept beruhen.
Eve beschreibt ihre eigene Arbeit im Kollektiv unter anderem über Magazin, Grafik, Organisation und Performance. Diese Verbindung unterschiedlicher Tätigkeiten prägt das Interview. Kunst erscheint nicht als ein einziger Bühnenmoment, sondern als etwas, das gestaltet, veröffentlicht, erklärt und mit anderen Menschen zusammengebracht werden muss.
Kinky Inhalte als normalen Teil von Kultur zeigen
Plumbum formuliert im Gespräch den Wunsch, Kink aus einer lächerlich machenden Schublade herauszuholen. Die Projekte sollen unterschiedliche Menschen erreichen, auch außerhalb der bereits queeren oder kinky interessierten Kreise. Dafür kann eine künstlerische Form einen anderen Einstieg bieten als eine ausführliche Definition oder eine explizite Partyankündigung.
Ein Mensch kann zunächst auf eine ungewöhnliche Figur, ein Bild oder ein interaktives Element reagieren. Daraus entstehen möglicherweise Fragen nach Material, Rolle oder Körperwahrnehmung. Diese Reihenfolge lässt Raum für eine eigene Annäherung. Sie bedeutet nicht, dass alle Betrachtenden selbst eine entsprechende Vorliebe entwickeln sollen. Eine Begegnung mit Kunst darf auch bei Interesse oder Nachdenken bleiben.
Für den Kompass ist dieser Gedanke interessant, weil Kink sehr unterschiedliche Zugänge umfasst. Nicht jeder Einstieg beginnt mit dem Wunsch nach einer Session. Gestaltung, Mode, Geschichten und das Erleben eines gemeinsamen Raums können ebenfalls Berührungspunkte sein. XELK zeigt im Interview Beispiele dafür, wie solche Kontakte bewusst hergestellt werden.
Wenn Publikum und Performance sich begegnen
Die Walking Acts im Gespräch stehen nicht immer in einer klar getrennten Bühnensituation. Sie bewegen sich zwischen Gästen, laden zur Interaktion ein und können zunächst wie eine besondere Partyfigur erscheinen. Nico beschreibt gerade dieses Verschwimmen als reizvoll. Gleichzeitig entsteht dadurch eine praktische Frage: Woran erkennt eine Person, welche Art von Kontakt gerade erwünscht ist?
Eine auffällige Figur ist keine pauschale Einladung zu Berührungen. Im Interview wird das am Beispiel einer Maske deutlich, in der die Wahrnehmung der auftretenden Person eingeschränkt ist. Wer von außen Nähe sucht, kann leicht annehmen, gesehen oder verstanden zu werden, obwohl das nicht der Fall ist. Deshalb braucht eine Interaktion einen erkennbaren Rahmen und Rücksicht auf die tatsächlichen Kommunikationsmöglichkeiten.
Das Beispiel ist hier keine Empfehlung, eine solche Ausstattung selbst zu verwenden. Es zeigt, dass die Perspektive des Publikums und das Erleben der performenden Person auseinanderfallen können. Eine vermeintlich deutliche Geste von außen muss innen nicht ankommen. Für Gäste ist Nachfragen bei den zuständigen Begleitpersonen oder das Beachten einer Erklärung sinnvoller als ein ungefragter Versuch, die Figur zu einer Reaktion zu bringen.
Ein Ausstellungsbeispiel über Nähe und Abstand
Im Interview schildert XELK ein früheres Projekt, bei dem menschliche Körper als Teil einer Ausstellung präsentiert wurden und Besucher:innen unter festgelegten Bedingungen mit ihnen interagieren konnten. Die Idee wurde im Gespräch mit der Erfahrung von Nähe und Distanz während der Pandemie verbunden. Eine trennende Materialschicht wurde Teil der künstlerischen Aussage.
Interessant ist dabei die Umkehr einer vertrauten Museumserwartung. Wo sonst das Nichtberühren gilt, wurde Berührung ausdrücklich in einem bestimmten Rahmen angeboten. Das verändert die Rolle der Besuchenden: Sie betrachten nicht nur ein Motiv, sondern müssen sich fragen, ob und wie sie sich selbst beteiligen möchten. Die Idee lebt gerade davon, dass eine Entscheidung möglich ist.
Nico erzählt dazu eine eigene Erfahrung, bei der ihn die Haptik und die veränderte Wahrnehmung überrascht haben. Das ist eine persönliche Erinnerung aus dem Gespräch. Sie belegt nicht, dass andere Menschen die Situation ebenso erleben würden. Der Artikel beschreibt das künstlerische Konzept und liefert keine technische Anleitung für körperlich einschränkende Aufbauten.
Interaktives Theater mit freiwilliger Beteiligung
Mit Kinky Kafka und dem im Interview besprochenen Projekt Suspension geht es auch um längere inszenierte Formate. XELK beschreibt ein festes Konzept mit Drehbuch, das dem Publikum Möglichkeiten zur Beteiligung lässt. Es handelt sich nach der Darstellung der Gäste nicht einfach um beliebiges Improvisationstheater, bei dem Zurufe den gesamten Verlauf bestimmen.
Eine wichtige Aussage betrifft Menschen, die nicht mitmachen möchten. Nach der Beschreibung im Interview soll eine Teilnahme am Abend möglich sein, ohne jede Interaktion zu nutzen. Die Gestaltung darf neugierig machen, soll aber keine Pflicht erzeugen. Auch Sitzmöglichkeiten werden als konkrete Frage genannt. Ein scheinbar kleines Detail entscheidet mit darüber, wer einen längeren Abend überhaupt gut erleben kann.
Die Gäste berichten außerdem, wie kreativ sich Besuchende selbst gestaltet hatten. Aus Inspiration kann ein freiwilliger eigener Beitrag werden, ohne dass alle dieselbe Kleidung tragen müssen. Das ist eine Beobachtung zu den beschriebenen Projekten und keine allgemeine Aussage darüber, dass Dresscodes auf anderen Veranstaltungen überflüssig wären. Jedes Format braucht einen verständlichen eigenen Rahmen.
Barrierefreiheit konkret statt pauschal betrachten
Das Magazin und die Performances führen im Interview zu einem ausführlicheren Gespräch über Barrieren. XELK nennt beispielsweise lesbare Texte zur gesprochenen Sprache, unterschiedliche sprachliche Zugänge, eine vorherige Orientierung im Raum und die Zusammenarbeit mit Gebärdensprachdolmetschenden. Interessant ist die beschriebene Einbindung in die Performance, statt Unterstützung nur als Zusatz daneben zu stellen.
Dabei bleibt der konkrete Ort wichtig. Ein erreichbarer Eingang allein beantwortet nicht, ob Toiletten, Sitzplätze, Rückzugsorte und die Teilnahme am Programm zugänglich sind. Aus dem Wort barrierefrei solltest du deshalb nicht automatisch auf alle Bedingungen schließen. Wenn du einen bestimmten Zugang brauchst, frage nach den tatsächlichen Möglichkeiten der aktuellen Veranstaltung.
Für Veranstaltende lässt sich aus dem Gespräch eine praktische Frage mitnehmen: Welche Information fehlt einem Gast, um selbst entscheiden zu können? Eine klare Beschreibung einer Treppe oder eines verfügbaren Sitzplatzes kann hilfreicher sein als ein großes, aber ungenaues Versprechen. Ob eine bestimmte Lösung vor Ort möglich ist, muss jeweils geprüft werden.
Das Magazin als weiterer Zugang
Neben Performances sprechen Eve und Plumbum über das XELK Magazin. Im besprochenen Heft gehören Barrierefreiheit, die Auseinandersetzung mit Studien zu BDSM und Polyamorie sowie erklärende Begriffe zu den Themen. Damit entsteht ein anderer Zugang als auf einer Party: Inhalte können in Ruhe gelesen und erneut betrachtet werden.
Das Magazin verbindet nach der Beschreibung der Gäste unterschiedliche kulturelle und persönliche Perspektiven. Die erwähnte Ausgabe ist Teil des Interviewkontexts. Welche Ausgaben aktuell erhältlich sind, prüfst du direkt beim XELK Magazin. Der Artikel verspricht weder ein bestimmtes Heft noch eine bevorstehende Veröffentlichung.
XELK weiter kennenlernen
Für aktuelle Projekte und Kontaktmöglichkeiten findest du XELK auf der eigenen Website, beim Magazin und auf Instagram. Das vollständige Interview zeigt die Verbindung von künstlerischen Ideen und praktischen Fragen besonders gut.
Wenn du den kulturellen Zugang weiterverfolgen möchtest, ergänzt das Gespräch über Marquis die Perspektive von Mode und Medien. Die Grundlage jeder persönlichen Beteiligung bleibt Konsens (englisch: Consent). Eine ungewöhnliche Inszenierung kann neue Fragen öffnen; die Entscheidung, ob du selbst Teil davon werden möchtest, bleibt bei dir.




